Hanta-Virus-Infektionen
Das Hanta-Virus wurde erstmals 1951 in Korea beschrieben und trägt deshalb den Namen Hanta (nicht hunter).
Es handelt sich um eine virale Infektion mit Bunyaviren.
Das Erregerreservoir sind Mäuse und Ratten. Der Infektionsweg erfolgt über das Einatmen virushaltiger Ausscheidung dieser Tiere (Kot und Urin).
Daher sind alle die sich vermehrt in der Natur aufhalten gefährdet insbesondere Arbeiter in der Landwirtschaft, Waldarbeit, Jäger.
Natürlich auch solche die im Dreck rumwühlen, um Schätze zu suchen!
Typische Ansteckungswege sind das Kehren von mäuse-infestierten Kellern oder Speichern oder Holzschuppen. Auch bei Arbeiten an Holzstapeln kann es zur Exposition mit Nagerexkrementen kommen.
Die weltweite Verbreitung des Hantavirus ist gegeben, allerdings gibt es verschiedene Untertypen welche auch eine verschieden schwere Ausprägung der Erkrankung hervorrufen.
Weltweit findet sich zum Beispiel in Rattenkot der sogenannte Seoul-Serotyp.
Dieser führt zum auf fachdeutsch als “hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom” also einer vorwiegend die Niere betreffenden Erkrankung.
Nach Ansteckung dauert es 5 - 35 Tage bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit 5-35 Tage).
Hier zeigt sich folgender Verlauf:
-plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerz, Gesichtsröte, Bindehautentzündung
-Rückenschmerzen, Bauchschmerzen vor allem krampfartige ein- oder beidseitige Flankenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
Dem Arzt fallen dann erhöhte Nierenlaborwerte und ein auffälliger Urinstix (Teststreifen zur Urinschnelldiagnostik) auf. Hier sieht man einen Eiweißverlust über die Niere im Teststreifen.
Leider ist der Verlauf bei dieser Form nicht immer günstig, es kann zum Schock und zum Versagen der Nierenfunktion kommen.
Der in Deutschland dominierende Hantavirus-Serotyp Puumala (PUU) verursacht eine leichtere Form des “hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom”, welches auch als “Nephropathia epidemica” bezeichnet wird.
Die Form der Erkrankung durch Infektion mit dem Puumula-Serotyp ist etwas milder.
Allerdings findet sich auch hier nicht immer ein günstiger Verlauf.
Das Ausmaß der Nierenfunktioneinschränkung reicht bis zur Notwendigkeit der Nierenersatztherapie (Dialyse).
Die Sterblichkeit bei Hanta-Virus-Infektion und Nephropathia epidemica beträgt etwa 1%.
In etwa 16% der Fälle kommt es neben dem akuten Nierenversagen auch noch zur Lungenentzündung und zu Lungenergüssen. Hier fallen dann Luftnot und Atemprobleme auf.
Falls Beschwerden im Mittelbauch vorherrschen kann auch eine Bauchspeicheldrüsen-entzündung Folge der Infektion sein.
In Nord- und Südamerika finden sich andere Serotypen des Hantavirus, welche vor allem eine Lungenbeteiligung verursachen und als Hantavirus-Lungensyndrom oder Hantavirus Pulmonary Syndrome bezeichnet werden.
Die Therapie besteht meist in Abwarten und Behandlung der Beschwerden mit allen möglichen Massnahmen, weiterer Beobachtung und dem rechtzeitigem Erkennen einer Verschlechterung.
Zum Teil ist eine Dialyse als vorübergehende Nierenersatzbehandlung und eine maschinelle Beatmung nötig.
Bei schwerem Verlauf kann die Therapie mit Ribavirin einem Nukleosidanalogon ergänzt werden.
Die Erkrankung ist beim Gesundheitsamt meldepflichtig.