FSME
Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis
engl.: Tick-borne-encephalitis virus = TBEV
Es handelt sich um ein RNA-Virus aus der Gruppe der Flaviviren.
Die Übertragung auf den Mensch erfolgt durch den Biss der Zecke (Ixodes ricinus) und zwar in allen Stadien (Larve, Nymphe, Adultus) der Zeckenentwicklung.
Der Mensch ist hier nur Fehlwirt des Virus, Hauptwirte sind Kleinsäuger (Mäuse), Vögel sowie Reh- und Rotwild.
Zweiter Übertragungsweg der Infektion der FSME ist das Trinken nicht pasteurisierter Milch von Nutztieren.
Bei der FSME gibt es endemisch auftretende Naturherdgebiete.
Diese sind in Deutschland vor allem in Bayern und Baden-Württemberg zu finden.
In Europa finden sich Fälle in Russland, Lettland, Teschien, Slowenien, Ungarn, Polen, Estland, Österreich, Schweden, Kroatien, Schweiz und Albanien.
Nur in GB, Portugal und im Benelux-Bereich traten noch keine Fälle auf.
Ansteckungsgefahr besteht während Zeckenaktivität von März bis Oktober.
Krankheitsverlauf:
Das Risiko der Ansteckung mit FSME liegt bei 30 % und steigt desto länger die Zecke im Wirt verbleibt.
Phase 1: Die Zeit bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt 7 - 14 Tage (Inkubationszeit 7-14 Tage).
Asymptomatischer Verlauf von 90% der Infektionen!
Manche verspüren jedoch nach der Inkubationszeit grippeähnliche Symptome zum Teil mit Fieber und / oder Magen-Darm-Beschwerdenh.
90% der Infizierten erkranken nicht an einer zweiten Phase, dass heißt die Erkrankung heilt ab!
Phase 2: 10% der Infizierten erkranken aber an FSME und es kommt in der Regel nach einem beschwerdefreien 8 tägigem Intervall, welches auch fehlen kann, zum erneuten Fieberanstieg.
Das klinische Bild imponiert mit verschiedenen neurologischen Bildern mit Nackensteife, Lähmungen. Es kommt zu Entzündungen des Hirns und der Hirnhäute.
Bei ca. 50% manifestiert sich die Erkrankung als Hirnhautentzündung (Menigitis).
Hier finden sich Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Nackensteife kann vorhanden sein.
Diese Erkrankten haben die beste Prognose, meist heilt die Erkrankung folgenlos ab.
Bei 40% als Hirnentzündung (Meningoenzephalitis).
Auffällig sind hier Bewußtseinsstörungen, Koordinationsstörungen, Lähmungen an Armen und Beinen oder im Gesicht.
Bei 10 % zur Rückenmarksentzündung (Meningoenzephalitismyelitis).
Hierbei kommte es zu schlaffen Lähmungen im Bereich der Extremitäten, meist auch Schluck- und Sprechstörungen und Lähmung im Bereich der Gesichts- und Atemmuskulatur.
Eine Atemlähmung betrifft ca. 5% der Erkrankten. Aus dieser Gruppe versterben ca. 10% der Patienten.
Bei 10% der Patienten in Phase 2 kommt es zu bleibenden Folgeschäden, 1-2 % versterben!
Was heisst dies konkret:
Im Endemiegebiet wird bei 10000 Zeckenbissen bei 3000 Bissen das FSME-Virus übertragen (30%).
Von 3000 Infizierten heilt die Erkrankung bei 2700 nach Phase 1 ab (90%).
300 Infizierte entwickeln jedoch das Vollbild der FSME mit neurologischen Komplikationen (10%).
Hiervon erleiden jedoch 10 % dass heißt 30 Patienten bleibende neurologische Schäden und 3-6 Patienten (1-2%) versterben.
Das Risiko an einem Zeckenbiss zu versterben liegt somit bei 1:5000 bis 1:10000.
Das Risiko an FSME zu erkranken bei 1 zu 33, das Risiko von Folgeschäden bei 1 zu 333.
Eine Garantie für diese Zahlen wird jedoch nicht übernommen. Die Ansteckungsgefahr ist auch abhängig von der Durchseuchung der Zecken.
Diagnostik:
Antikörpertest im Blut oder Hirnwasser (Liquor) = IgG, IgM -ELISA-Test.
Kernspintomographie bei bestimmten Fragestellungen.
Therapie:
Eine kausale Therapie gibt es nicht, es wird symptomatisch behandelt.
Prophylaxe allgemein:
Schutzkleidung, Repellents, Zeckengefahrengebiete meiden, zügige Zeckenentfernung nach Biss.
Impfung:
Es gibt Impfstoffe mit inaktiven FSME-Viren. Diese Impfung wird als aktive Impfung bezeichnet, da der Körper hierauf Antikörper gegen FSME-Viren bildet, welche bei einer wirklichen Infektion bei Zeckenbiss die Erreger abtöten und so die Erkrankung verhindern.
Impfschemata:
1. Es gibt ein klassisches Impfschema zur Erreichung eines Langzeitschutzes.
Dies erfordert drei Teilimpfungen nach 0, 1-3 Monaten und 9-12 Monaten.
Auffrischimpfungen sind nach 3-5 Jahren erforderlich.
Die Gabe des Impfstoffes erfolgt als Injektion in den Muskel.
2. Weiterhin stehen zwei verschiedene Schnellimmunisierungsschemata zur Verfügung.
Je nach Impfstoff sind hierbei drei oder vier Impfungen notwendig um einen Impfschutz zu erhalten.
Schema 1: 0, 14 Tage und 9-12 Monate
Schema 2: 0, 7 Tage, 21 Tage und 12-18 Monate
Auch hier ist eine Auffrischimpfung nach 3-5 Jahren erforderlich. Auch hier intramuskuläre Injektion.
Der Impfschutz beträgt 98-99%.
Da als Träger des Impfstoffs Hühnereiweiss verwendet wird kann es zu allergischen Reaktionen bei disponierten Menschen kommen.
Impfreaktionen mit Fieber können ebenfalls aufttreten.
Mittlerweile sind neue Impfstoffe auf dem Markt, welche die Wahrscheinlichkeit einer schweren Impfreaktion reduzieren.
Eine aktive FSME Impfung ist allen Personen, die sich wiederholt in Risikogebieten aufhalten zu empfehlen!
Es gibt folgende Präparate (ohne Garantie auf Vollständigkeit):
-ENCEPUR Kinder und ENCEPUR Erwachsene (ab 12 Lebensjahr)
Preis für 1 Spritze ca. 35 Euro
-FSME-Immun Junior und FSME-Immun Erwachsene
Preis für 1 Spritze ca. 30 Euro
Ein passive Impfung ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Passive Impfung heiß Gabe von Antikörpern gegen FSME.
Risikogebiet / Hochrisikogebiet
Diese Begriffe sind per Definition festgelegt.
In einem Risikogebiet kam es innerhalb von 5 Jahren zu 5 unabhängigen FSME-Erkrankungen oder innerhalb eines Jahres zu zwei unabhängigen Erkrankungen.
In einem Hochrisikogebiet finden sich 25 Fälle in 5 Jahren.
Als FSME-Viruserkrankung werden Fälle mit Nachweis von IgM- und IgG Antikörpern im Blut angesehen.
Coburg wird als Risikogebiet eingestuft. Es gibt eine aktuelle Karte in der die FSME-Gebiete verzeichnet sind:
www.rki.de